3SAT
3SAT So. 08.02.
Doku
Die Fassaden der Häuser spiegeln die verschiedenen Epochen der Stadt wider. Wer durch Brügge flaniert reist durch die Zeit. ZDF/SWR/Holger Schüppel
Alles wird überragt von dem Belfried, der typisch ist für flämische Städte aus dem Mittelalter. - Keine Kirche und kein Rathaus, ein Symbol für Freiheit, Wehrhaftigkeit und Reichtum. ZDF/SWR/Holger Schüppel
Die Heiligblutbasilika, früher einmal die Hofkapelle der ehemaligen Burganlage. Im 12. Jahrhundert errichtet, dient sie seit jeher auch der Verehrung der Heiligblutreliquie. ZDF/SWR/Holger Schüppel
Ein System von Kanälen umschließt und durchzieht das historische Zentrum. Sie werden hier Reie genannt - nach einem Fluss, der im Mittelalter vollständig kanalisiert wurde. ZDF/SWR/Holger Schüppel
Heute fahren vor allem Touristenboote auf den Kanälen, die die Altstadt durchziehen. Im Mittelalter dienten sie dem Handel. Wolle aus England und Wein aus Frankreich wurden in Brügge umgeschlagen. ZDF/SWR/Holger Schüppel
In einer Nische der Liebfrauenkirche befindet sich die Brügger Madonna. Die sitzende Madonna mit dem stehenden Knaben schuf Michelangelo zwischen 1501 bis 1506. ZDF/SWR/Holger Schüppel
Brügge entwickelte sich im Mittelalter zu einem der umsatzstärksten Kontore der Hanse. Händler aus Italien, aus Süddeutschland, Kastilien und Portugal machten hier Geschäfte. ZDF/SWR/Holger Schüppel

Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Brügge, Belgien - Metropole des Mittelalters

  • 15'
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Dokumentation

Inhalt

Der Handel brachte Brügge im Mittelalter großen Reichtum, der bis heute an den Bauwerken zu sehen ist. Seit der Jahrtausendwende gehört das Zentrum der belgischen Stadt zum UNESCO-Welterbe. Bauwerke wie der mächtige Belfried oder der in prachtvoller Renaissance gehaltene Justizpalast sowie stattliche Zunft- und Patrizierhäuser erzählen von dem märchenhaften Aufstieg. Der Reichtum der Händler, Bankiers und Adeligen lockte bedeutende Künstler an. Eigentlich hat eine Naturkatastrophe den Aufstieg Brügges zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas im Mittelalter zumindest begünstigt. Eine Sturmflut pflügte 1134 eine Rinne in die Meeresbucht Zwin und schuf einen direkten Zugang zur Nordsee. Brügge entwickelte sich zu einem der meistangelaufenen Häfen im Norden Europas, war bald Drehscheibe im internationalen Handel, der die Wollproduzenten Englands mit den Weingütern der Gascogne und den flandrischen Tuchmachern verband. Große italienische Bankiers wie die Medici eröffneten Filialen und machten Brügge zum Weltfinanzzentrum. Brügge erlebte sein Goldenes Zeitalter. Zu den architektonischen Höhepunkten dieser Epoche gehören Sakralbauten wie die monumentale Liebfrauenkirche. Im Sint-Janshospitaal, eine der ältesten und größten Herbergen dieser Art in Europa, taten die Beginen ihren Dienst, die unweit der Stadt im Beginenhof in einer klosterähnlichen Frauengemeinschaft lebten. Unter den Künstlern, die vom Reichtum der Stadt angezogen wurden, waren auch die Maler der Flämischen Schule. Als die "Flämischen Primitiven" revolutionierten sie die bildende Kunst mit einem bis dahin nicht gekannten Realismus, der durch eine natürliche, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Darstellung eine neue Sicht auf Mensch und Natur eröffnete. Bedeutende Vertreter wie Jan van Eyck wurden auch in Italien als Malerfürsten verehrt. Brügge avancierte zum größten kulturellen Zentrum nördlich der Alpen. Das Ende des 15. Jahrhunderts brachte den Niedergang. Der Zwin - Brügges Verbindung zur Nordsee - versandete. In der Folge lähmte jahrhundertelanger Stillstand die Stadt. Auch die industrielle Revolution ging an Brügge vorbei. Im Rückblick ein großes Glück: Nichts wurde abgerissen, um Platz für Fabriken zu schaffen. Da auch die beiden Weltkriege Brügge verschonten, blieb die Altstadt nahezu erhalten. Bis heute prägen dort neben der Gotik auch andere Stilepochen wie Renaissance, Barock und Neogotik in wunderbarer Synthese das Stadtbild.

Sendungsinfos

Von: Willy Meyer VPS: 08.02.2026 19:40, Stereo
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