ARTE
ARTE Sa. 17.10.
Doku
Fast jede Familie in Gaultois besitzt eine Blockhütte in der Wildnis. ARTE
Cynthia Billard musste vor 13 Jahren umsiedeln - und kommt trotzdem zurück in ihre alte Heimat. ARTE
Ron Simms wehrt sich dagegen, mit 72 Jahren umsiedeln zu müssen. ARTE
Zwei Neufundländer gegen die Provinzverwaltung: Die Umsiedlung würde sie ihrer Heimat berauben. ARTE
Grand Bruit, ein entlegenes Fischerdorf in Neufundland, wurde vor 13 Jahren umgesiedelt. Trotzdem leben noch manche Bewohner hier. ARTE

360° Reportage

TV-Programm des deutsch-französischen Rundfunkveranstalters Association Relative à la Télévision Européenne. ARTE sendet ein Vollprogramm mit den Schwerpunkten Kultur, außergewöhnliche Dokumentationen, zeitgenössische Spielfilme sowie Musik- und Theaterproduktionen.

Neufundland: Bleiben oder gehen?

  • D 2023
  • 52'
Reportagereihe Ein Fischerdorf an der abgelegenen Südküste Neufundlands steht vor der letzten großen Entscheidung: Seine 75 Bewohner müssen wählen, ob sie bleiben oder alle zusammen ihre Heimat für immer verlassen sollen. Die Provinzverwaltung unterstützt die Umsiedlung mit bis zu 270.000 Dollar pro Haushalt, denn die Aufrechterhaltung der öffentlichen Infrastruktur wäre noch teurer ...

Inhalt

Neufundland kennt eine lange Geschichte der Umsiedlungen. Beginnend in den 50er Jahren zwang die Regierung die entlegen lebenden Menschen, häufig kanadische Ureinwohner, an zentraler gelegenen Orten zu siedeln. Dort wurden Arbeitskräfte gebraucht. Im Lauf der Jahre wurde die Kritik an den alternativlos verfügten Umsiedlungsprogrammen immer lauter. Doch wirtschaftliche Zwänge setzten sich durch. Angesichts drohender Arbeitslosigkeit wurden Hunderte kleiner Ortschaften aufgegeben. Outports nennt man die einst blühenden Küstenorte. Sie galten als das wahre Neufundland, die Heimat der Entdecker und Gründer, der Stolz der Nation. Gaultois ist einer der letzten Outports in Neufundland. Der Ort lebte bis in die 90er Jahre prächtig vom Kabeljau - bis die Überfischung zu Fangverboten führte und das langsame Sterben von Gaultois einleitete. Für Nostalgie hat die Provinzverwaltung in St. John's keinen Sinn. Knappe Kassen lässt sie mit spitzem Stift rechnen: Allein die Fährverbindung aufrechtzuerhalten, kostet die Regierung jährlich eine Million Dollar. Schule, Müllabfuhr, Post - all das ist für den Steuerzahler teurer, als wenn jede Familie für die Umsiedlung mit umgerechnet 190.000 Euro entschädigt würde. Die staatliche Förderung gibt es allerdings nur, wenn mindestens 75 Prozent der Bewohner mitmachen und ihre Häuser aufgeben wollen. Auch die Gegner der Umsiedlung müssten dann umsiedeln. Gaultois würde von der Landkarte verschwinden. "360° Reportage" ist dabei, wenn die Gemeinde über das Schicksal von Gaultois entscheidet.

Sendungsinfos

Regie: Holger Riedel Untertitel, Stereo
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