ARTE
ARTE Di. 15.09.
Doku
Sali Hafez bedrohte Bankmitarbeiter mit einer Waffe, um auf ihr Konto zugreifen zu können. Sie brauchte das Geld dringend für die Krankenhausbehandlung ihrer Schwester. ARTE F
Seit Oktober 2019 steckt der Libanon in einer beispiellosen Wirtschaftskrise: Die Währung hat bis Februar 2023 98 Prozent ihres Wertes verloren und das Bankensystem funktioniert nicht mehr. ARTE F
Riad Salamé war von 1993 bis 2023 Präsident der Zentralbank im Libanon, deren Konten für die Bevölkerung geschlossen sind. ARTE F
Roulettespiel der Mächtigen: Einflussreiche libanesische Großfamilien profitieren von der geopolitischen Lage des Libanons zwischen Israel und Syrien. ARTE F
Die Preise für Grundnahrungsmittel explodieren; nach Schätzungen der Weltbank lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Libanon unterhalb der Armutsgrenze. ARTE F
Land der Gegensätze: Einige wenige Familien, die seit den 1970er und 1980er Jahren an der Macht sind, haben den Reichtum unter sich aufgeteilt. ARTE F
Walid Dschumblatt ist Anführer der Religionsgemeinschaft Drusen, die bis 1990 im Bürgerkrieg gegen die mit Syrien verbündete Amal-Miliz und christliche Rechtsmilizen kämpfte. ARTE F

Libanon, der Jahrhundertraub

TV-Programm des deutsch-französischen Rundfunkveranstalters Association Relative à la Télévision Européenne. ARTE sendet ein Vollprogramm mit den Schwerpunkten Kultur, außergewöhnliche Dokumentationen, zeitgenössische Spielfilme sowie Musik- und Theaterproduktionen.

  • F 2024
  • 94'
Dokumentarfilm Seit 2019 steckt der Libanon in einer beispiellosen Wirtschaftskrise. Das Bankensystem liegt brach. Die großen Finanzorganisationen sind bereit, der Wirtschaft des Landes beizustehen. Doch trotz der Verzweiflung der libanesischen Bevölkerung, deren Lebensniveau immer weiter absinkt, lehnen die herrschenden Kleptokraten es kategorisch ab, zu kooperieren.

Inhalt

Der Dokumentarfilm erzählt von der Beschlagnahme eines Landes, das einst zu den fortschrittlichsten Nationen des Nahen Ostens gehörte: Seit den 1970er und 80er Jahren wird der Libanon von einer Kaste aus Finanzhaien und ehemaligen Milizionären beherrscht, die nach dem Bürgerkrieg ihre Feindschaft begruben und sich den Reichtum des Landes aufteilten. Ihr politisches Programm besteht daraus, die religiösen Gemeinschaften gegeneinander auszuspielen. Zum Vorteil gereicht ihnen auch die geopolitische Lage des winzigen Staates: Eingezwängt zwischen Israel und Syrien wird er immer wieder zum Spielball der Nahost-Interessen Frankreichs, der USA, Saudi-Arabiens und des Iran. Heute steht der Libanon vor dem Aus. Grundnahrungsmittel sind unbezahlbar geworden, drei Viertel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, das Bankensystem liegt brach. Vielen Jüngeren bleibt nur noch der Weg ins Exil, um ihre Familien dann aus dem Ausland zu unterstützen. Wie kam es zu diesem Niedergang? Wie konnten die Banken über 30 Jahre lang die Warlords mit den Ersparnissen der libanesischen Mittelschicht mästen? Und warum sind sie noch an der Macht? Im Oktober 2019 sind eine Million Libanesen auf die Straße gegangen, um die Regierung zum Rücktritt zu zwingen. Junge Schiiten, Christen, Drusen und Sunniten marschieren Seite an Seite. Wochenlang erlebte das Land eine Welle der Zuversicht. Doch die alten Kriegsherren verschanzten sich in ihren Palästen, bis die Bewegung verpuffte. Die gestrigen Feinde halten zusammen, wenn es gilt, ihre Privilegien und ihre immenses, durch die Abzweigung von Entwicklungshilfe gescheffeltes Vermögen zu schützen.

Sendungsinfos

Regie: Sylvain Lepetit, Miyuki Droz Aramaki Stereo
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