MDR
So. 12.07.
Doku
Endlich sichtbar - Von Vietnam nach Deutschland
- 90'
Dokumentation
Inhalt
Trong Hieu kennen alle in Vietnam unter dem Spitznamen "German Hot Guy", vor allem die zahlreichen weiblichen Fans sind verrückt nach ihm. In Vietnam ist er ein Superstar - und das als Deutscher. Wir begleiten seinen Weg zwischen zwei Welten, zwei Karrieren, zwei Identitäten, und tauchen gleichzeitig in die Herkunftsgeschichten der in Deutschland lebenden Vietnamesen und Vietnamesinnen ein.
Unauffällig, angepasst und fleißig - vor allem aber: Unsichtbar! Bisher galten Vietnamesen als Vorbilder der Integration. Das lag auch an der Erziehung durch die Elterngeneration. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich jedoch ein Wandel im Selbstbewusstsein der vietnamesischen Diaspora vollzogen.
Die Eltern sind aus verschiedenen Gründen und auf verschiedenen Wegen nach Deutschland gekommen: als Studenten, als sogenannte Boat-People, als Vertragsarbeiter, als Asylsuchende. Zu Letzteren gehört die Familie von Nguyen Trong Hieu, mit Künstlernamen TRONG. 1992 in einem Asylbewerberheim in Bad Kissingen geboren, will er schon von frühester Kindheit an unbedingt Musiker werden. Sein größter Traum ist es, in Deutschland berühmt zu werden, als erster deutscher Popstar mit vietnamesischen Wurzeln.
Wir erleben ihn als talentierten Jungen, der Tanzwettbewerbe gewinnt und Britney Spears trifft - von ihr ermutigt wird unbedingt seinen Weg zu verfolgen - und als ehrgeizigen Erwachsenen, der in Hannover Musik studiert. In Vietnam bewirbt er sich, aus Langeweile beim Familienurlaub, ein einziges Mal beim DSDS-Pendant "Vietnam Idol" und - gewinnt fulminant! Über Nacht wird er zum Superstar in Vietnam.
Dennoch versucht er beharrlich, in der deutschen Musikszene - in seiner Heimat - Fuß zu fassen. Fünfmal bewirbt er sich beim "Eurovision Song Contest", fünfmal wird er abgelehnt. Erst beim sechsten Mal schafft er es zum Vorentscheid, um dann doch nur als Vierter dazustehen. Aber TRONG gibt nicht auf: "Was mich anspornt, ist anerkannt zu werden von der deutschen Gesellschaft".
Er verkörpert wie kein anderer die zweite Generation der vietnamesischen Diaspora, die ähnlich erzogen wurde: Zu Hause vietnamesisch, aber außerhalb der Familie, in der Öffentlichkeit, so deutsch wie möglich. Dieser immanente Clash von Innen und Außen, Wir und Ihr, vietnamesisch sein und deutsch sein, zerriss diese zweite Generation innerlich. Was sie eint, ist die ständige Suche nach Zugehörigkeit, Identität und Heimat. In den letzten Jahren hat man den Eindruck, dass sie erstarkt sind und nun ihren Platz in der deutschen Gesellschaft einfordern. Sie sind nämlich beides: vietnamesisch und deutsch, und sie gehören zu Deutschland: die neuen Vietdeutschen.
Ngo The Duc, der Restaurantmogul und Starkoch aus "Kitchen Impossible", kommt zu Wort wie auch die Schauspielerinnen Mai Duong Kieu, bekannt aus "Bad Banks", und Minh-Khai Phan-Thi, aktuell zu sehen in "Doppelhaushälfte".
Dies ist die erste Dokumentation in Deutschland, die die facettenreichen Geschichten der vietnamesischen Diaspora aus der Innenperspektive erzählt. Sowohl die Regisseurin Minh An Szabó de Bucs als auch der Co-Regisseur und Kameramann Ngo The Chau teilen viele Erfahrungen in ihrer Herkunftsgeschichte mit den Protagonisten. Die Regisseurin Minh An Szabó de Bucs: "Dieser Film soll allen Menschen mit migrantischer Herkunft Hoffnung geben und die Kraft, unbeirrbar ihren Träumen zu folgen."
Sendungsinfos
Untertitel, Hörfilm, Stereo
