ARTE
ARTE Mo. 03.08.
Doku
?Ich bereue nichts?, sagt Pater Pierre Vignon. Der frühere Kirchenrichter im Bistum Lyon wurde in eine der entlegensten Regionen Frankreichs verbannt, weil er seinen Kardinal als Mitwisser von sexuellem Missbrauch öffentlich zum Rücktritt aufgefordert hat. BR
?Wir haben dazugelernt?, sagt Essens Bischof Franz-Josef Overbeck zum Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch. ?Mir war sehr schnell klar, das muss, soweit es in meinen Händen liegt, immer ein Ende finden. Und zwar sofort.? BR
"?Er war doch ein Mann Gottes?, sagt Richard Kick über den Kaplan, der ihn im Alter von acht Jahren sexuell missbrauchte. Obwohl das Bistum München und Freising von den Übergriffen des Geistlichen erfuhr, wurde er nie belangt. BR
?Das hat mich wirklich in meinem Glauben niedergedrückt und mein Verhältnis zur Kirche verändert?, sagt Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, zu sexuellem Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche. BR
Mitwisser ? der frühere Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin (2.v.l.), wusste jahrelang von einem Serientäter in seinen Reihen und unternahm nichts. BR

Schweigen und Vertuschen

TV-Programm des deutsch-französischen Rundfunkveranstalters Association Relative à la Télévision Européenne. ARTE sendet ein Vollprogramm mit den Schwerpunkten Kultur, außergewöhnliche Dokumentationen, zeitgenössische Spielfilme sowie Musik- und Theaterproduktionen.

Die Todsünden der katholischen Kirche

  • B, D, F 2022
  • 90'
Dokumentation Priester als Täter, Kinder als Opfer: Was lange vertuscht wurde, wird jetzt sichtbar. Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche. Und der Staat? Er schaut oft weg. "Das ist nicht nur ein Kirchenversagen, das ist ein Staatsversagen", sagt Sozialpsychologe Heiner Keupp dazu. Der Dokumentarfilm untersucht die "Beißhemmung" staatlicher Behörden und das kirchliche Vertuschungssystem in Europa. Eines der porträtierten Opfer ist François Devaux, der in Lyon eine Initiative für Betroffene gegründet hat.

Inhalt

Die weltweite Aufdeckung sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche hat sichtbar gemacht, was lange vertuscht wurde. Immer neue Fälle, erschütternde Zahlen - allein in Frankreich geht man von mehr als 300.000 Betroffenen aus -, schleppende Aufklärung und zögerliche Entschädigungszahlungen haben die Institution Kirche in eine tiefe Krise gestürzt. Europas Gläubige kehren ihr zu Hunderttausenden den Rücken. Und der Staat? Er steht immer noch viel zu häufig an der Seitenlinie, wenn die Täter Priester sind - gerade auch in Deutschland. "Das ist nicht nur ein Kirchenversagen, das ist ein Staatsversagen", sagt der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp dazu. Professor Keupp, der selbst Mitglied der Unabhängigen Aufarbeitungskommission des Bundes ist, hält es für absurd, dass es der katholischen Kirche auch mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden des flächendeckenden Missbrauchs in Deutschland noch immer gestattet ist, die Aufarbeitung der Verbrechen in Eigenregie zu organisieren. Der Dokumentarfilm untersucht die staatliche "Beißhemmung" und die systematische Vertuschungsstrategie der Kirche - und hat in Deutschland, Frankreich und Belgien mit Opfern, Kirchenvertretern und Aktivisten gesprochen. Einer von ihnen ist François Devaux, selbst Missbrauchsopfer und Gründer einer Betroffeneninitiative in Lyon.

Sendungsinfos

Regie: Helmar Büchel Untertitel, Stereo
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